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Mit diesem Text gewann Axel Lier den Axel-Springer-Preis 2008.
Schnelle Schritte hallen über den Hinterhof. Aus den Fenstern dringen Licht und Stimmen. Jemand lacht, ein Baby schreit. Die Frau mit den hochhackigen Schuhen eilt vom Hinter- zum Vorderhaus. Ihr dunkler Pferdeschwanz schwingt im Takt der zügigen Schritte. Noch im Gehen zieht Margarita ihre weiße Sweatshirtjacke über den Rollkragenpullover. Es ist eine kalte Sommernacht, kaum 19 Grad. Es ist Montag, der 8. August 2005, 20 Minuten vor elf.
Wenig später schlendern zwei Kinder über den Hinterhof. Sie flüstern. Der eine, klein und schmächtig, der andere mehr als einen Kopf größer, proper. In der Hand des Großen klickt ein Feuerzeug, immer wieder. Für Sekunden sieht man das Abbild des Jungen: streichholzlange Haare, ein volles Milchgesicht mit Knubbel-Nase, schmalen Augen und vollen Lippen. Er trägt ein ausgeblichenes, dunkelblaues Sweatshirt von Russel Athletic. Darunter leuchtet eine weite Militärhose. Moabit-Style.
Die beiden Jungen gehen ins Vorderhaus. Es ist stockdunkel, doch den Lichtschalter im Hausflur drücken sie nicht. Entdeckt zu werden, wäre schlimm, das ist in der Vergangenheit öfter passiert. Zum Beispiel beim Kokeln im Keller vor zwei Monaten. Und vor drei Wochen beim Kritzeln an der Hauswand. Damals hieß es: putzen oder Polizei? Die Jungs machten sauber. Zehn Stunden lang, mit Schrubbern. Am Ende gab es Lob und Titel: Ehrenhausmeister.
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